Ein Öko-Label für Transportdienstleistungen

Transport & Spedition | | Dienstag, 26 April 2022 | 90
Öko-Label kennen wir bisher nur aus dem Lebensmittelbereich. Wirtschaftswissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel entwickelten nun ein neues Bewertungssystem, das die Klimafolgen von Transportdienstleistungen erstmals transparent bewertete. Das Team beschreibt die Details dafür im Journal of Industrial Ecology. Zirka 14% der weltweiten Treibhausgasemissionen gehen pro Jahr auf den Personen- und Güterverkehr als Verursacher zurück. Damit bsaiert die Bewertungs des Systems, die eine Sendung auf ihrem Transportweg verursacht, auf der ausgestoßenen Menge an Treibhausgasen die sie verursacht.

Es ist gar nicht so einfach einen CO2-Fußabdruck einer Güterlieferung zu berechnen. Ein Transportprozess besteht normalerweise aus mehreren Teilschritten. Mit dem LKW, Zug, Flugzeug oder Schiff, kommen auf den jeweiligen Teilstrecken unterschiedliche Verkehrsträger zum Einsatz. Auch Leerfahrten ohne Fracht, oder die Art der Beladung beeinflussen das Ergebnis. Der Vergleich der gewählten Transportoptionen ist somit sehr schwierig. Jedoch, so sagt PD Dr. Thomas Kirschstein, Privatdozent an der MLU und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie IMW, steckt in der Wahl der richtigen Transportdienstleistungen ein riesiges Potenzial zur Emissionseinsparung und zur deutlichen Senkung des CO2-Fußabdruck. Je weniger Leerfahrten es gibt und je länger Sendungen zum Beispiel über Schienen und nicht auf Straßen transportiert werden, desto besser wird die Klimabilanz einer Sendung.

Mit Bezug auf die Umweltverträglichkeit mangelte es bisher sehr an Transparenz im Güterverkehr. Oft enthalten Angebote nur den Preis für eine Transportdienstleistung, nicht aber den Einfluss auf das Klima. Genau hier setzt das neu entwickelte Labelsystem des Forscherteams der MLU und der Uni Kiel an. Auf Grundlage typischer Sendungsmerkmale, wie Sedungsvolumen, Sendungsgewicht, Density, Auslastung des Verkehrsmittels, Fahrtrouten mit entsprechenden Emissionswerten, kreiert das Team vergleichbare und einheitliche Kalkulationsgrößen für die Klimabilanz von Transportprozessen.