Fachkräftemangel in der Logistikbranche

Branche & Industrie | Branche | Dienstag, 05 September 2017 | 460
Schon heute fehlen den Logistikunternehmen qualifizierte Fach- und Führungskräfte. Die Verfasser einer von der Weltbank initiierten globalen Logistik-Studie stellen unter anderem fest, dass die Aus- und Weiterbildungsstrukturen weltweit nicht den zukünftigen Anforderungen und der Dynamik der Logistikbranche gewachsen sind. Diese Situation werde sich noch verschärfen, so die beauftragten Wissenschaftler der Hamburger Kühne Logistics University (KLU), wenn Wirtschaft und Politik der zugrunde liegenden Problematik nicht entgegenwirkten.

Aus der Befragung von etwa dreihundert internationalen Fachleuten aus Politik, Wirtschaft und Institutionen haben die Wirtschaftsforscher die zentralen Probleme der Logistikbranche herausgearbeitet. So seien die Qualifikationsprobleme regional unterschiedlich strukturiert. Während die Unternehmen in den Industrienationen besondere Schwierigkeiten haben, qualifizierte Mitarbeiter für die operativen Unternehmensbereiche zu gewinnen, liege ein Schwerpunkt in den anderen Regionen beim Mangel an kompetenten Führungs- und Managementkräften.

Kluft zwischen technologischem Fortschritt und Ausbildungsstrukturen

Das Defizit der Branche an Mitarbeitern, deren Qualifikationen den modernen und zukünftigen Anforderungen entsprechen, habe nicht nur mit den niedrigen Löhnen und schlechten Arbeitsbedingungen vor allem im operativen Feld zu tun. Zu den Ursachen zählt nach Erkenntnis der Wissenschaftler vor allem die Kluft zwischen der permanenten technischen, digitalen und strukturellen Weiterentwicklung der Logistikbranche und den aktuellen Aus- und Weiterbildungsstrukturen. Denn auch die bereits Beschäftigten weisen in allen Unternehmensbereichen häufig Qualifikationsdefizite auf. Oft fehle eine geregelte Berufsausbildung im operativen Bereich, während es bei den Führungskräften an spezialisierten Ausbildungen wie Logistik oder Supply Chain Management und strategischen Fähigkeiten mangele.

Zentraler Ansatzpunkt: Verbesserung der Logistikausbildung

Die Lösungstrategien der Forscher setzen vor allem an der Ausweitung, Standardisierung und Weiterentwicklung der Ausbildung in allen Bereichen der Logistik an. So sprechen sie sich beispielsweise für die Einführung einer dualen Ausbildung in Entwicklungs- und Schwellenländern oder den Einsatz logistikbezogener Unternehmensspiele und Simulationen für Mitarbeiter aber auch in Schulen aus. Eine besondere Rolle bei der Verbesserung der Qualifikationsstrukturen und des Images komme den Verbänden der Branche zu.